Facebook ist bekanntlich mit großer Vorsicht zu behandeln – zu schnell kann sich Negativkritik verbreiten und die eigene Marke beschädigen.
So ist es für eine NGO, nehmen wir zum Beispiel den WWF, einerseits natürlich toll, über 56.000 Facebooknutzer als „Fans“ zu haben, die dann jeden Post mit einem „like“ und einem wohlwollenden Kommentar beklatschen.
Andererseits kann diese hohe Zahl von „Fans“ bedrohlich wirken, wenn die Stimmung umschlägt, weil zum Beispiel eine Doku im TV zur besten mitternächtlichen Sendezeit läuft, die vermeintliche Machenschaften dieser NGO aufzeigt.
„Wir müssen uns der Kritik stellen,….“ wird beim morgendlichen Krisenmeeting nach der Ausstrahlung der Dokumentation in die verzweifelte Stille geschrien, „…aber es soll nicht jeder Idiot seinen Senf abgeben können, geschweige denn lesen, was die anderen so an Mist über uns verzapfen.“
Was also tun? Man veröffentlicht einen Faktencheck als Gegenveröffentlichung auf der eigenen Website und lädt zum Chat mit einem Verantwortlichen ein. Der Chat wird aber nur umständlich als Kommentarstream umgesetzt, das grenzt schon mal ein paar Leute aus und – ganz wichtig – auf Facebook findet keine Erwähnung statt. Nichts. Null. Nothing.
Die Pinnwand der eigenen Facebookpage bleibt so konfiguriert, dass die Nutzer beim Besuchen der Seite nur die Posts der NGO sehen. „Fans“ können zwar ihrem Frust freien Lauf lassen und Posts an die Pinnwand schreiben (was sie auch fleißig machen), das wird aber keine Sau sehen!
So schafft es der WWF tatsächlich, den ganzen Tag über offziell auf Facebook zu schweigen und die Wut der eigenen Anhänger hinter einem Vorhang zu kanalisieren. Hut ab.
Der WWF wird das wahrscheinlich so aussitzen. Daran können sich ein paar Unternehmen, die mit Reputationsproblemen zu kämpfen haben, ein Beispiel nehmen.

wwf facebook page am 23.6. 2011 um 17.54.19
Update 26. Juni
Der WWF kann das nicht aussitzen. Nach dem Faktencheck und dem sogenannten Chat auf der Webseite des WWF (der nur aus dem Aneinandereihen von Kommentaren und Gegenkommentaren bestand) und dem Versuch (mit dem mittlerweile wieder gelöschten) Twitterkanal @WWF_Antwortet den Protest und die Empörung zu kanalisieren, begann der WWF mehr als 24 h nach der Ausstrahlug im TV mit Gegen-PR auf der Facebook-Pinnwand. Allerdings geht die fast unter, denn nahezu im Minutentakt machen die Leute auf der Pinnwand des WWF ihrer Enttäuschung Luft. Der WWF hat keine Antworten auf die wirklich schwerwiegenden Vorwürfe, die in der Doku erhoben werden. Man versucht, mit dem Herummäkeln an handwerklichen Fehlern, die Aussagen im Film herunterzuspielen. Es geht gar nicht um die Frage, wann welcher Häuptling welches Interview gab. Es geht um die Frage, welche Rolle der WWF beim internationalen Greenwashing spielt. Ist der WWF der Anwalt der Natur oder vertritt er die Interessen rücksichtsloser Großkonzerne? Zunächst trifft es den WWF Deutschland mit aller Wucht. Bald werden auch die anderen Ländervertretungen des WWF mit Fragen konfrontiert werden. Auf der Facebookseite des WWF worldwide (mit mehr 660.000 “Fans”), trudeln seit zwei Tagen die Posts der deutschen Facebooknutzer ein…

WWF Facebookpage
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