Hashtag #Tee
Da soll noch mal einer sagen, twitter tauge zu nichts. Der Mann von Angelika Dorsch (@AngieDor) musste am Freitagabend bei echtem Hamburger Sauwetter einen Rohrbruch beseitigen. Das tat ihr so leid, dass sie ihm gern eine Kanne heißen Tee vorbegebracht hätte. Allein die Entfernung (60 km) schien dies zu verhinden. Also startete sie via twitter einen Aufruf:
Die Mitarbeiter im Hamburger Büro von Scholz & Friends (@scholzfriends) lasen den tweet, schauten aus dem Fenster (Schnee/Regen) und reagierten:
Und schon ging jemand los und versorgte den Mann und seine Kollegen mit warmen Getränken. Natürlich wurde auch dies ordentlich dokumentiert.
Diese herzerwärmende Geschichte macht an einem kalten Winterabend Mut und öffnet völlig neue Perspektiven der Twitternutzung zum Beispiel als Notfallservice: Kann mal jemand gucken, ob ich das Fenster zugemacht habe etc.
Lorem ipsum – Blindtextgenerator
Ein wirklich hilfreiches Tool für alle, die Lücken mit Blindtext füllen müssen, ist der von den Sachbearbeitern geschaffene Blindtextgenerator. Gib einfach an, wieviel Wörter oder Zeichen du haben willst, schon bekommst du deinen Text. Optional lassen sich auch Schriftarten und -größen einstellen. Es besteht die Wahl zwischen dem klassischen lorem ipsum, aber auch ein Kafkadurcheinander oder einfacher deutscher Blindtext wird auf Wunsch generiert. Sogar andere Sprachen werden angeboten. Das macht Spaß. Zum Blindtext-Generator geht’s hier lang.
Zum Schluss noch 160 Zeichen Blindtext: Lorem ipsum dolor sit amet, consectetuer adipiscing elit. Aenean commodo ligula eget dolor. Aenean massa. Cum sociis natoque penatibus et magnis dis parturient
Meinten Sie “Brandopfer”
Einen ersten Erfolg darf die Trendopfer-Bewegung für sich verbuchen: Sucht man jetzt bei Google nach „Trendopfer“ fragt die Suchmaschine nicht mehr ‚Meinten Sie Brandopfer?’ sondern liefert brav die gewünschten Ergebnisse. Allerdings hat hier twitter seo-mäßig die Führung übernommen.
Trotzdem geht die Besetzung weiter. Denn nicht nur Heiner Geißler weiß, was heute wichtig ist: „Ich muss (…) nicht Bahnhöfe besetzen, sondern Begriffe“ (SZ vom 14.07.2008).
P.S. Was macht eigentlich bing?
Trash On Demand
Web und Bewegtbild verschmelzen immer mehr. Video drehen, hochladen, veröffentlichen. Was „früher“ nur Fachleuten gelang, ist heute ein Kinderspiel (man denke nur an die Gewaltvideos vom Schulhof).
Abgesehen von Youtube und Co.gibt es sehr schöne Beispiele für die gelungene Integration von Bewegtbild ins Internet. Mein aktueller Favorit: Ted.com zeigt auf seiner Plattform Vorträge der Vordenker. Jeweils etwa 20 Minuten Inspiration vom Feinsten.
Die Gefahr
Warum lieben wir das Internet? Natürlich weil wir jederzeit auf Informationen zurückgreifen können, für deren Beschaffung wir vor ein paar Jahren noch Stunden in der Bibliothek verbringen mussten. Selbstverständlich weil wir uns so schnell mit so vielen Menschen austauschen können, dass selbst die SMS bald aussterben wird.
Warum noch? Weil wir selektieren können. Wir müssen uns nicht den ganzen Trash reinziehen. Wir stellen uns das Programm selbst zusammen. Wir sind nicht mehr auf das Fernsehen angewiesen. Das Internet ist nicht das Fernsehen. Noch nicht.
Denn was kommt, bzw. was eigentlich schon da ist: Das TV kommt ins Internet. Bislang sehe ich hier noch wenige Nachteile. Gute Shows wie die von John Steward, wie zum Beispiel Switch Reloaded oder Stromberg kann man sich im Internet ruckelfrei ansehen. Wann man will, wo man will. Das sind die guten Seiten.
Die hässliche Fratze des TV sind die Call-in-Sendungen, die Talkshows, die Werbung und (als deren Überhöhung) die Dauerwerbesendungen, auch bekannt als Homeshopping. Sachen, die man sich eigentlich nur nachts um halb drei reinzieht, bei denen man sich fragt: Wer ruft da an? Im Internet habe ich das jedenfalls noch nicht vermisst.
Die Deutsche Post beglückt jetzt seine Affiliate-Partner mit einer neuen Onlinewerbeform: Produktvideos, die man sich kopieren und auf seinen Seiten einbauen kann. Dies ist der traurige Beweis, dass das Internet zu Hause angekommen ist. Der einzige Vorteil an diesen Videos ist die Tatsache, dass sie nicht automatisch starten. Trash on demand. Klicken Sie also bitte nicht.
UPDATE 20. August 2009 – Zanox sperrt Account
Nach meinem Post zum Tweet #1 der Beispielfirma hatte ich offenbar zu viele Besucher, die auch den Film der Post angeklickt hatten, der hier embedded war. Das viel auf. Zanox hat meinen Account gesperrt. Automatisch generierte E-Mail von Zanox, 18. August 15:49 Uhr: “wir haben Ihr Benutzerkonto ******* bis auf weiteres im zanox Affilate Netzwerk gesperrt.” Da ich aber über mehr als einen Account bei Zanox verfüge, kann ich zumindest noch einen Screenshot hervorzauben.

T.C. Boyle Talk Talk
Andere sagen
Deutschlandradio Kultur am 25.08.06
Roman ohne Thema
(…)Boyle erzählt in ständigem Wechsel mal aus der Perspektive von Dana und Bridger, dann wieder aus der Perspektive des Betrügers, der eigentlich Peck Wilson heißt. Der möchte seinen zusammengescheffelten Luxus nebst blitzschöner Russin genießen und findet es ziemlich ungerecht, von seinen Opfern aus dem süßen Leben aufgeschreckt zu werden. Der Rest sind inszenierte Begegnungen und Fluchten. Das liest sich wie das Drehbuch für einen ziemlich flachen Film mit Schnitt und Gegenschnitt, Verfolgungsjagd über den Highway und Prügelei im lauschigen Vorgarten.
Boyle muss alles benennen und jedes Detail ausschmücken, um die Leere, die dieser Roman in jeder Zeile ausströmt, zu verdecken. Jedes Salatblatt auf dem Teller wird erzählt, jede Strähne im Haar und jeder Schweißtropfen geschildert. Da bleibt kein Raum für die Phantasie, wie in schlechtem Kino. Auch die Spannung hält sich in Grenzen, und Spannung wäre doch das mindeste, was man von einem Thriller erwarten darf.
Und wieder so ein Grund, warum man Rezensionen immer erst dann lesen sollte, nachdem man sich ein eigenes Bild gemacht hat.
Dieses Buch ist grandios. Es ist packend, spannend, rasant, und man merkt beim Lesen nicht, wie die Zeit vergeht. Mehr muss man über das Buch nicht sagen – es ist absolut empfehlenswert.
Der Kritiker hat nicht verstanden, dass nicht die Gehörlosen und ihre Gebärdensprache das Thema sind, sondern “Identitätsdiebstahl”, der in den USA weit schneller zu bewerkstelligen ist, als bei uns. Und dass Boyle daraus einen Thriller macht, den man nicht eher zuklappen kann, bis man ihn ausgelesen hat, kann ihm der eine oder andere Kritiker schlicht weg nicht verzeihen.

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