T.C. Boyle Talk Talk

January 4, 2009 · Posted in Die Sinne 

Andere sagen

Deutschlandradio Kultur am 25.08.06

Roman ohne Thema
(…)Boyle erzählt in ständigem Wechsel mal aus der Perspektive von Dana und Bridger, dann wieder aus der Perspektive des Betrügers, der eigentlich Peck Wilson heißt. Der möchte seinen zusammengescheffelten Luxus nebst blitzschöner Russin genießen und findet es ziemlich ungerecht, von seinen Opfern aus dem süßen Leben aufgeschreckt zu werden. Der Rest sind inszenierte Begegnungen und Fluchten. Das liest sich wie das Drehbuch für einen ziemlich flachen Film mit Schnitt und Gegenschnitt, Verfolgungsjagd über den Highway und Prügelei im lauschigen Vorgarten.
Boyle muss alles benennen und jedes Detail ausschmücken, um die Leere, die dieser Roman in jeder Zeile ausströmt, zu verdecken. Jedes Salatblatt auf dem Teller wird erzählt, jede Strähne im Haar und jeder Schweißtropfen geschildert. Da bleibt kein Raum für die Phantasie, wie in schlechtem Kino. Auch die Spannung hält sich in Grenzen, und Spannung wäre doch das mindeste, was man von einem Thriller erwarten darf.

Und wieder so ein Grund, warum man Rezensionen immer erst dann lesen sollte, nachdem man sich ein eigenes Bild gemacht hat.
Dieses Buch ist grandios. Es ist packend, spannend, rasant, und man merkt beim Lesen nicht, wie die Zeit vergeht. Mehr muss man über das Buch nicht sagen – es ist absolut empfehlenswert.

Der Kritiker hat nicht verstanden, dass nicht die Gehörlosen und ihre Gebärdensprache das Thema sind, sondern “Identitätsdiebstahl”, der in den USA weit schneller zu bewerkstelligen ist, als bei uns. Und dass Boyle daraus einen Thriller macht, den man nicht eher zuklappen kann, bis man ihn ausgelesen hat, kann ihm der eine oder andere Kritiker schlicht weg nicht verzeihen.

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