K. will bleiben
Es war an heilig Abend, als der Winter doch noch mit aller Wucht
hereinbrach. K. saß in einem Bus. Er war auf dem Rückweg von irgendwo. Auf den glatten Straßen kamen sie nur sehr langsam voran. An einer Raststätte bog der Bus ab. Es begann wieder zu schneien. Die Passagiere stiegen aus, vertraten sich die Beine, rauchten oder gingen in das kleine Restaurant der Raststätte, in der es herrlich nach Rotkohl mit Klößen roch. K. bestellte eine Bratwurst und einen großen Kaffee. Er setzte sich zu den anderen. Das Essen kam, und es schmeckte ihm außerordentlich gut. Und erst der Kaffee! Die Kellnerin war ganz anders als all die Frauen, die K. kannte. Sie war nicht überheblich, strahlte Natürlichkeit und Freundlichkeit aus. Sie lächelte während sie die Bestellungen aufnahm und die Gäste bediente. Durch die breite Luke hinter der Theke hörte K. den Koch lustige Sachen sagen. Aus der Küche drang das vergnügliche, herzliche Lachen der Angestellten. Alle waren glücklich. K. betrachte das dichte Schneetreiben vor dem Fenster. Und er wollte in diesem Restaurant für immer bleiben. Das seltsame Gefühl, dass alles hier in diesem Restaurant einfach wundervoll ist und für immer wundervoll bleiben wird, machte sich in seinem Herzen breit. K. umklammerte den großen Kaffeepott und bekam eine Gänsehaut. Schließlich rief der Fahrer allen im Restaurant wartenden Passagieren zu, dass es Zeit sei, einzusteigen. Und K. dachte: Ich bleibe hier. Ich bleibe einfach hier.
Dann stand er auf, stellte sein Geschirr auf die Ablage und folgte den anderen zum Bus. Er nahm ganz hinten links Platz und schaute ein letztes Mal durch das Fenster zur Raststätte. Dann startete der Bus, bog nach einer Kurve auf die Autobahn und nahm wieder richtig Fahrt auf. K. starrte ins Leere der Nacht. Er hörte, wie sich vorn zwei Mitfahrer lebhaft unterhielten. Andere blätterten in Zeitschriften oder versuchten zu schlafen. Niemand von ihnen hatte etwas von dem Zauber mitbekommen. K. lehnte seinen Kopf an die Scheibe, schloss die Augen und tat so, als wollte er schlafen. Mehr war nicht zu tun. Er hörte den Rhythmus des Motors und das Geräusch der Reifen im Schnee.
Comments
Leave a Reply

![[del.icio.us]](http://www.gregor-koall.de/wahrheit/wp-content/plugins/bookmarkify/delicious.png)
![[Facebook]](http://www.gregor-koall.de/wahrheit/wp-content/plugins/bookmarkify/facebook.png)
![[Google]](http://www.gregor-koall.de/wahrheit/wp-content/plugins/bookmarkify/google.png)
![[LinkedIn]](http://www.gregor-koall.de/wahrheit/wp-content/plugins/bookmarkify/linkedin.png)
![[Mister Wong]](http://www.gregor-koall.de/wahrheit/wp-content/plugins/bookmarkify/misterwong.png)
![[MySpace]](http://www.gregor-koall.de/wahrheit/wp-content/plugins/bookmarkify/myspace.png)
![[StumbleUpon]](http://www.gregor-koall.de/wahrheit/wp-content/plugins/bookmarkify/stumbleupon.png)
![[Technorati]](http://www.gregor-koall.de/wahrheit/wp-content/plugins/bookmarkify/technorati.png)
![[Twitter]](http://www.gregor-koall.de/wahrheit/wp-content/plugins/bookmarkify/twitter.png)
![[Yahoo!]](http://www.gregor-koall.de/wahrheit/wp-content/plugins/bookmarkify/yahoo.png)
![[Email]](http://www.gregor-koall.de/wahrheit/wp-content/plugins/bookmarkify/email.png)
